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Rituale der Reue Selbst wenn Patienten sich zuweilen
entschuldigen oder ihr Verhalten scheinbar bereuen, so geschieht dies oftmals
mit ritualisierten Bekenntnissen, die nicht eigentlich auf eine Besserung
abzielen. Die dauernde Wiederholung dieser Beschwörungsformel scheint einem dreifachen Zweck zu dienen: 1. Befreiung von jedweder Schuld oder Scham, die sie womöglich selber empfinden könnten; 2. Besänftigung des verärgerten Teams durch Demonstration von Bußfertigkeit; 3. Rückgewinnung aller Privilegien.
Das
"Chronische Teamophrenie-Syndrom" Ein Teil der
Schwierigkeit, ein wirksames Behandlungs- und Rehabilitationsprogramm zu
etablieren, ergibt sich aus der Einstellung des Klinikpersonals zu seiner Arbeit
mit diesen Patienten. Die
Entstehung dieser Blockade ist im Grunde leicht zu verstehen. Wenn das Team die
Voraussetzung akzeptiert, dass psychisch kranke Patienten für ihre Handlungen
nicht verantwortlich zu machen sind, so folgt daraus, daß im wesentlichen jeder
humanitäre Behandlungsansatz von Liebe, Freundlichkeit, Akzeptanz und
Verständnis durchdrungen sein sollte. Wenn die Haltung des Teams unter allen Umständen geduldig, hilfreich liebevoll und akzeptierend sein muß, welche Wahl bleibt Mitarbeitern, wenn sie sich selber gelegentlich als ungeduldig, ärgerlich und aufgebracht erleben? Es ist nicht nur schwierig für sie, dauernd ganz anders zu handeln, als sie fühlen, vielmehr schwächt gerade diese heuchlerische Fassade den therapeutischen Effekt ihrer Bemühungen. Trotz der lauten und deutlichen Botschaften von Nebennieren und Eingeweiden wird dem Pflegepersonal nur ein spärliches Reaktions-Repertoire zugestanden, um den Waffen zu begegnen, die den Patienten zur Verfügung stehen. Die Mitarbeiter neigen dazu, die Konflikte, die sich aus der Blockade ergeben, so zu lösen, dass sie sich ein überschaubares Sortiment an Haltungen und Verhaltensweisen zulegen, das oftmals dem der Patienten passgenau entspricht. Wir haben diese charakteristische Reaktion des Teams als Syndrom der "chronische Teamophrenie" (Staffrenia) bezeichnet. Dieses Syndrom setzt sich zusammen aus Apathie, Überdruß, minimalem persönlichem Einsatz, vermindertem Enthusiasmus, Mangel an emotionalem Engagement und deutlich herabgesetzten Erwartungen an eine mögliche Rehabilitation des Patienten. Die Haltung des Teams charakterisieren Äußerungen wie "Ach, laß gut sein" oder "Zum Teufel damit, es lohnt sich ja doch nicht". Die Mitglieder des Teams ziehen sich zunehmend zurück und beschränken sich nur noch auf oberflächliche therapeutische Aktivitäten, die - wie immer man sie auch nennen mag - bestenfalls guten Versorgungscharakter haben, und sie begnügen sich schließlich nur allzu gern mit bloßer Kooperation statt Rehabilitation der Patienten. Jedes Programm, dass auf Rehabilitation (statt lediglich guter Verwahrung) chronisch Schizophrener abzielt, muß dieses Syndrom berücksichtigen und Vorkehrungen treffen, es zu verhindern oder seiner Ausbreitung gegenzusteuern.
Weiter unter "Konsequenzen"
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